Walter Ötsch | Kulturgeschichte des Denkens über die Wirtschaft

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Kulturgeschichte des Denkens über die Wirtschaft

Kurse: „Kulturgeschichte des Denkens über die Wirtschaft I und II“

Die beiden Kurse wurden von mir viele Jahre an der Johannes Kepler Universität bis Sommer 2015 in jedem Semester angeboten. Aktuell sind Teile davon Bestandteil meines Unterrichts an der Cusanus Hochschule.


Video zu theoretischen Hintergründen

Theoriegeschichte als (kritische) Kulturgeschichte: Vortrag bei der pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Göttingen 2012, 10.9.2012 (auf youtube: die ersten 15 Minuten)

Videos zu beiden Kursen

Beide Kurse (daraus nur meine Inhalten) wurden von der Universität im Wintersemester 2012/13 gefilmt und von Alexander Grömmer sehr zeitaufwendig bearbeite, vielen Dank!

Grundidee zu beiden Kursen   (alter Text zu den Vorlesungen)

Im Ergänzungsfach „Kulturgeschichte des Denkens über die Wirtschaft“ geht es um die Hintergründe und breiten kulturellen Grundlagen, aus denen sich das heutige Denken über die Wirtschaft entwickelt hat. Insbesondere im zweiten Kurs soll verständlich gemacht werden, von welchem Denken die heutige Gesellschaft gelähmt ist (diese Lähmung manifestiert sich in der Perspektivlosigkeit der Politik bei fast allen Parteien, die zu einer breiten Politik-Verdrossenheit geführt hat).

Die Grundpfeiler der Wirtschaftstheorie, wie sie in vielen Lehrveranstaltungen des Studiums Wirtschaftswissenschaften vermittelt werden, werden in diesem Kurs historisch und kritisch verstanden. Sie sind das Ergebnisse zahlreicher sich aufeinander beziehender geschichtlicher Prozesse. Die Vielfalt der Faktoren, die hier eine Rolle gespielt haben, können von keiner Wissenschaft alleine erfasst werden. Als Ansatz bietet sich ein kulturgeschichtliches Herangehen an, bei der versucht wird, die Erkenntnisse unterschiedlicher Bereiche und ihrer Wissenschaften systematisch aufeinander zu beziehen und ein Gesamtbild über die historische Entwicklung zu entwerfen.

Wichtige Bereiche sind z.B. die Philosophiegeschichte, insbesondere die Geschichte der Sozialphilosophie, der „Mentalitätsgeschichte“ (die z.B. erklären soll, wie sich Grundkonzepte, wie Raum und Zeit historisch verändert haben), die Geschichte wirtschaftlich relevanter Institutionen sowie die Geschichte realer wirtschaftlicher Entwicklungen, – all das immer in Bezug auf ihre Auswirkungen auf die jeweiligen Auffassungen über die Wirtschaft.

In diesem Fach erhalten Sie (in Teil I und II) einen gerafften Überblick über das Denken über die Wirtschaft von der Antike bis zu neoliberalen Ansätzen heute. Sie erfahren z.B., wie die Menschen im europäischen Mittelalter über Wirtschaften gedacht haben und warum sich in dieser Denkweise kein moderner Handels- und Geldkapitalismus entfalten konnte. Daran anschließend wird ein Überblick über die kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends vom 14. bis zum 17. Jahrhundert geboten. Hier formen sich die Grundlagen der neuzeitlichen Auffassung der Ökonomie, die dann ab dem 17. Jahrhundert in eigene Theorien der Wirtschaft münden.

Sie erfahren die Unterschiede von feudal-absolutistischen zu bürgerlich-demokratischen Vorstellungen über die Wirtschaft und ihrer wichtigsten Versionen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Am Schluss wird das moderne neoliberale Denken in seinen Grundzügen dargestellt und beschrieben, wie dieses Denken ab den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Politik erobert hat und ein neue Art des Kapitalismus mitgeschaffen hat, die zur Finanzkrise 2008 geführt hat. Diee Nachwirkungen dieser Krise dauern immer noch an, das Wirtschaftssytsem befindet sich seit 2008 in einem Krisenmodus. Das neoliberale Projekt wird in der Vorlesung als ein Kulturprojekt erklärt, mit dem Ziel einer radikalen Umgestaltung der Gesellschaft. Dieses Projekt wurde durch die Finanzkrise 2008 und ihre Folgen nicht geschwächt, wie man erwarten konnte, sondern im Gegenteil gestärkt. Seine Folgen erleben wir alle heute.

Das Ziel der beiden Vorlesungen ist die Vermittlung von historischem Grundlagenwissen über ökonomische Theorien, der Studierende befähigen soll, fundiert über die aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise zu reflektieren.

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