Walter Ötsch | Mein Profil an der Cusanus Hochschule

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Mein Profil an der Cusanus Hochschule

Meine Spezialität ist die Verknüpfung der Kulturgeschichte (in einem sehr breiten Rahmen) mit der Geschichte des ökonomischen Denkens.

Wozu ist eine Kulturgeschichte der Ökonomik wichtig?

Wenn man davon ausgeht, dass die ökonomische Theorie sich in einer Krise befindet (die sich u.a. auch darin gezeigt hat, dass fast alle ÖkonomInnen vor 2008 einen derartig tiefe Erschütterung nicht als möglich erachtet haben), dann stellt sich die Frage, was genau in der Theorie falsch ist und was eine andere bessere Theorie sein sollte.

Die Frage nach dem Falschen kann man sehr unterschiedlich beantworten. Eine tiefgründige Antwort liegt in einer geschichtlichen Analyse der Kategorien einer Theorie, in ihren Grundbegriffen, die sie verwendet: Welche anderen Begriffe hat es in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten gegeben? Wie (und unter welchen Umständen) haben sich jene Kategorien gebildet, die heute das Denken strukturieren? Welche „vergessenen“ Sichtweisen können für Fragestellungen heute fruchtbar gemacht werden?

Mit einer solchen „Sicht von außen“, die in der Lehre systematisch geschult werden muss, soll den Studierenden ein Abstand von Selbstverständlichem ermöglicht werden, das ihnen früher gar nicht als Selbstverständlichkeit bewusst gewesen ist. Sie sollen lernen, den Blick frei zu machen von etablierten Denkweisen und damit kreativ im Denken zu werden.

Die Kulturgeschichte der Ökonomik handelt auch von der Wirkung, die ökonomisches Denken ausübt: Die Art, wie Menschen in ihrer Zeit über die Wirtschaft denken, hat immer direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft dieser Zeit selbst, z.B. welche Gesetze über Eigentum, Handel oder Steuern gemacht und welche Wirtschaftspolitik verfolgt werden. In der Wirkungsgeschichte des ökonomischen Denkens erkennen wir, dass diese Zusammenhänge für ein Verständnis der Wirtschaft wichtig sind und: wie dies heute in einer medialen Wirklichkeit geschieht. Die Cusanus Hochschule ist die einzige in Deutschland, die das Fach „Wirkungsforschung“ in ihren Studienplänen verankert hat.

Meine Lehre basiert auf den Ergebnissen von Forschungsprojekten, die ich am Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft an der Johannes Kepler Universität Linz in den letzten Jahren geleitet habe. Beispiele sind:

  • Ein Projekt zur Geschichte des Ordoliberalismus (in Kooperation mit der Universität Hamburg): warum konnte diese Richtung nach 1945 so bedeutsam werden, welche Netzwerke haben sich hier etabliert, über welchen Einfluss verfügen sie heute noch, und: was hat das mit Besonderheiten der deutschen Wirtschaftspolitik jetzt zu tun?
  • Ein Projekt zu den wenig bekannten Schattenbanken, ihrer Bedeutung für die Finanzkrise 2008 und den Zusammenhang dieses Sektors mit dem Bereich der Steuer- und Regulierungsoasen. Das Projekt ist ein Versuch, unser Wirtschaftssystem und seine krisenhaften Teile mehr zu verstehen und Hintergründe zur seit 2008 andauernden Krise aufzudecken.

Laufende Forschungsprojekten an der Cusanus Hochschule:

  • Ein Projekt zum Denken künftiger ÖkonomInnen an deutschen Universitäten: eine große Umfrage (quantitativ und qualitativer Art) zum Denken und zu der Art, wie durch die Lehre das Denken der nächsten Generation von ÖkonomInnen beeinflusst wird (in Kooperation mit der Universität Frankfurt).
  • Ein Projekt zu einem vertieften Verständnis, wie sich das Bild des Menschen in der Ökonomie geschichtlich gewandelt hat, in Kooperation mit dem Institut für Philosophie an der Cusanus Hochschule.
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